Wie funktioniert eine Schusswaffe überhaupt?

Im Grunde ist die Schusswaffe eine einfache Geschichte, deren Entwicklung sich vermutlich über hunderttausende von Jahren hinzog und an der unzählige Menschen einen mehr oder weniger großen Anteil hatten. Schon Kleinkinder führen in der motorischen Entwicklungsphase zunächst unbewusst und spielerisch Abwehr- und Angriffsbewegungen aus.

Das ist ein Teil der menschlichen Ausstattung, um zu überleben. Es sind ebenso Kleinkinder, die recht bald feststellen, dass die Bewegungen der Arme eine effektivere Wirkung erhalten, wenn sie dabei etwas in den Händen halten. Das muss den Kindern keiner zeigen oder vormachen, allerdings ist die Intensität der Bewegungen von Kind zu Kind unterschiedlich. Kurz gesagt, den Primaten, wozu auch der Mensch gehört, ist es genetisch in die Wiege gelegt, Gegenstände zu Waffen zu machen.

Was ist eine Waffe?

Eigentlich alles, was sich als Waffe einsetzen lässt, wobei es darauf ankommt, welche Kenntnisse der oder die Anwenderin über die Verwendung von Gegenständen zu Angriffs- und Verteidigungszwecken besitzt. Am einfachsten ist es natürlich, wenn der Gegenstand bereits Eigenschaften besitzt, die die Verwendung als Waffe unterstützen.

In der Frühzeit der menschlichen Entwicklung waren das Stöcke und Steine. Sie waren und sind überall greifbar und erzielen eine sehr große Wirkung. Der Stock oder Ast über seine Wirkung als Armverlängerung, beziehungsweise dessen Hebelwirkung, und der Stein schlicht über seine Härte. Es brauchte vermutlich nicht lange, bis der Mensch begriff, das Stöcke und Steine auch geworfen werden konnten.

Die Distanzwaffe war geboren. Es ist anzunehmen, das die ersten Waffen der Menschheit dazu dienten, Tiere zu erlegen oder sich gegen tierische Angriffe zu wehren. Der Kampf Mensch gegen Mensch erhielt erst viel später Bedeutung, als die Populationen wuchsen und es darum ging, beispielsweise Jagdreviere zu verteidigen oder zu erobern. Noch viel später wurde das Schießen zur sportlichen Disziplin.

Natürlich gibt es in Bezug auf Waffen Meilensteine, die bestimmte Entwicklungen markieren, wobei die ersten dieser Meilensteine zeitlich nur schwer einzuordnen sind, weil Holz recht schnell verrottet und darüber keine archäologischen Nachweise geführt werden können. Immerhin konnte im Jahr 2008 in Südafrika eine Pfeilspitze aus Knochen identifiziert werden, die auf ein Alter von 61.000 Jahren datiert wurde.

Antike Pfeilspitze zeigt 60.000 Jahre alte Schusswaffe
© Langley et al., 2020.

Es dürfte damit erwiesen sein, das Pfeil und Bogen schon sehr lange im Gebrauch des Menschen sind. Die nächsten 55.000 Jahre tat sich dann nicht mehr viel in Bezug auf neue Waffentechniken, doch so vor rund 5000 Jahren wurde entdeckt, was sich mit Kupfer so alles machen lässt.

Der Kupferzeit folgte die Bronzezeit, und ihr wiederum die Eisenzeit, die vor etwa 2800 Jahren ihren Anfang nahm. Waffentechnisch war die Entdeckung des Eisens einer der wichtigsten Meilensteine. Die Entwicklung der Armbrust, etwa ab 500 v. Ch., stellte den Höhepunkt der mechanischen Distanzwaffen dar.

Schwarzpulver – Chemie gewinnt die Oberhand

Vermutlich mischte irgendwann zu Anfang des 11. Jahrhundert ein chinesischer Gelehrter Salpeter, Schwefel und Holzkohle im richtigen Verhältnis zusammen und entdeckte, dass diese Mischung explosiv abbrandte, wenn Feuer dazu kam. Die Chinesen brauchten dann nicht lange, um zu entdecken, dass sich dieses Pulver hervorragend als Treibmittel für Kugeln eignet, die sich in einem Rohr befinden.

Nur rund 100 Jahre später wurde vermutlich eines der ersten Gewehre der Welt gebaut, die nach ihrem Fundort benannte Heilongjiang-Büchse, die noch heute erhalten ist. Eigentlich ist es nur ein 34 cm langes Rohr aus Bronzeguss, aber mit einer verstärkten Mündung, einer Aufnahme für einen Holzschaft und einem extra Zündloch. Die Bauweise lässt darauf schließen, das die Chinesen experimentierten, bis sie herausfanden, wie dick der Bronzeguss sein musste, um nicht zu explodieren, wenn das Schwarzpulver gezündet wurde. 

Die Heilongjiang-Büchse besitzt eine 26-mm-Laufbohrung. Das entspricht ungefähr dem heutigen Flintenkaliber 4 mit einer Laufbohrung von 26,7 mm, das für die Elefantenjagd verwendet wird.

Das Foto ist unter der CC-BY-SA-3.0-Lizenz verfügbar. Credit: (siehe Originaldatei)

In den folgenden 900 Jahren bestimmten die Metallurgie, die Feinmechanik und die Chemie die Entwicklung der Schusswaffe.

Wie funktioniert eine moderne Schusswaffe?

Über die Funktionsweisen mechanischer Waffen, wie Hieb- und Stichwaffen oder Bogen und Armbrust, muss nicht viel erklärt werden. Sie unterliegen einfachen physikalischen Gesetzen, die üblicherweise im Physikunterricht vermittelt werden.

Bei Schusswaffen mischen sich Physik, Chemie und Feinmechanik, wobei der klassischen Schusswaffe mit ihrer Abzugsmechanik und der Patrone im 20.- und 21. Jahrhundert die Schusswaffen beigefügt wurden, die mit kalten Gasen als Treibladungen funktionieren.

Es gibt bei Schusswaffen eine ganze Reihe von Unterscheidungsmerkmalen, deren jeweilige Beschreibung jedoch den Rahmen sprengen würde. Die einfachste Möglichkeit der Unterteilung funktioniert nach den Antriebsarten der Geschosse:

  • Feuerwaffen (heiße Gase)
  • Druckluftwaffen (kalte Gase) (oftmals Softair)
  • Bedingt auch Federdruckwaffen*

*Federdruckwaffen werden oft als eigene Antriebsart dargestellt, doch in der modernen Waffentechnik spielen sie kaum noch eine Rolle.

Die zwei ersten Segmente der Schusswaffen lassen sich wiederum in unterschiedliche Bereiche unterteilen:

Zu den Feuerwaffen gehören

Faustfeuerwaffen und Langwaffen, die per Definition im Waffengesetz zu den Handfeuerwaffen gehören. Moderne Feuerwaffen nutzen als Munition eine Patrone, die sich aus einem Aufschlagzünder, einem Treibmittel sowie einem oder mehrerer Projektile zusammensetzt. Ausgenommen von dieser Patronenzusammensetzung ist die Munition von Handfeuerwaffen zum Verschießen von Platz- und Reizgaspatronen.

In diesen Fällen enthält die Patrone neben dem Aufschlagzünder entweder nur einen erhöhten Anteil an Treibmittel (Platzpatrone), um einen lauten Knall zu erzeugen, oder eine mit Reizgas gefüllte Kartusche, die durch die Zündung des Treibmittels zerplatzt und das Gas freisetzt. Platzpatronen finden in einigen weiteren Geräten ihre Anwendung, die nicht zu den Schusswaffen gehören, etwa Bolzenschussgeräte in Schlachtereien oder Nagelgeräte im Bauwesen, wobei hier die Menge der Treibladung auf die Funktion abgestimmt ist.

Für die Nutzung dieser Waffen ist in der Regel ein Waffenschein erforderlich.

Druckluftwaffen sind

Schusswaffen, bei denen nicht Patronen, sondern nur Projektile verschossen werden. Der Antrieb wird hier über kalte Gase wie Pressluft, CO2 oder Kohlendioxid erzeugt. Die Munition von Druckluftwaffen setzt sich aus zwei getrennten Komponenten zusammen. Einmal die Kartusche mit dem gepressten Gas und einmal das Projektil. In der Regel reicht die Menge an gepresstem Gas in der Kartusche aus, um mehrere Projektile hintereinander zu verschießen.

Kleiner Ausflug in die Physik – warum sind Schusswaffen so effektiv?

Das Geheimnis der Schusswaffen steckt im Treibmittel, also entweder ein komprimiertes Gas oder ein zündbarer Feststoff. Bei beiden geht es in der Wirkung, üblicherweise die Reichweite und Durchschlagskraft des Projektils, um die sogenannte Detonationsgeschwindigkeit.  

©Jacob O’Neal/Animagraffs

Die Detonationsgeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit der Reaktionsfront aufgrund einer chemischen Reaktion. Vereinfacht ausgedrückt, je schneller sich ein Sprengstoff oder ein Gas, die als Treibmittel in Schusswaffen eingesetzt werden, ausdehnt, desto weiter und stärker fliegt das Projektil.

Natürlich ist das zum einen abhängig von der Menge des Treibmittels und zum anderen von der Hülle um das Treibmittel. Das älteste bekannte Treibmittel, das Schwarzpulver, ist dabei gegen moderne Treibmittel eher eine lahme Ente. Schwarzpulver bringt es je nach Zusammensetzung auf etwa 300 bis 600 m Ausdehnung, pro Sekunde wohlgemerkt. Das hört sich nach viel an, ist jedoch in der modernen Waffentechnik anderen Treibmitteln hoffnungslos unterlegen.

Allein schon komprimiertes CO2 bringt es auf 2400 m pro Sekunde. Noch um ein vielfaches schneller dehnt sich Oktogen aus. Der im Jahr 1942 in Deutschland entwickelte Sprengstoff besitzt eine Detonationsgeschwindigkeit von 9.110 m pro Sekunde. Zugegeben, derartig brisante Sprengstoffe werden nicht als Treibmittel in Handfeuerwaffen eingesetzt.

Heute kommen in den Patronen für Handfeuerwaffen hauptsächlich sogenannte NC-Pulver (Nitrocellulose) zum Einsatz. Die bringen es bestenfalls aber auch auf 6300 m pro Sekunde und können beispielsweise in einem Scharfschützengewehr einem 30er-Kaliber eine Reichweite von über 700 m verleihen.

Falls ein weiterer Ausflug in die Phsyik der Schusswaffen gewünscht ist haben wir uns in diesem Beitrag mit dem Mythos der Schusswaffen Unterwasser beschäftigt.

Doch nun zurück aus der Physik und dem Lager der Profis – welche Waffe empfiehlt sich für Anfänger?

Wer in den Schießsport hineinschnuppern möchte und einfach mal erfahren will, wie es ist, mit einer Pistole, einem Revolver oder einem Gewehr umzugehen, kann dies auf Schießtrainingsanlagen tun, die sich auf das ganze Bundesgebiet verteilen. Möglich ist dabei alles, von der großkalibrigen Winchester bis zum Paintball mit Softairwaffen kann jede Waffentechnik ausprobiert werden. Je nach Ausstattung schwanken die Preise von 60 Euro bis über 150 Euro für etwa ein bis drei Stunden. Waffenschein braucht es dafür keinen, aber ein Mindestalter von 18 Jahren ist immer Voraussetzung.

Vielleicht doch lieber eine eigene Waffe?

Natürlich besitzt die eigene Waffe ihren ganz persönlichen Reiz, wobei natürlich vorweg die Frage im Raum steht, ob es eine Waffe sein soll, die eine Waffenbesitzkarte voraussetzt. Das bedeutet aber gleich den Einstieg in die höchste Waffenkategorie, die den Besitz von Schusswaffen der Kategorie B erlaubt, wozu beispielsweise halbautomatische Gewehre gehören. Abgesehen von den Preisen solcher Waffen sind da noch weitere Dinge gefordert, die eine/n Anfänger/in eventuell überfordert.

Als Sportwaffe empfiehlt sich zum Beispiel die MSR RX 22 Competition von Anschütz. Ziel mit dieser Waffe war es, eine Waffe für Sportschützen zu bauen und dementsprechend zeigt sich das MSR RX 22 Competition in einer sportlichen Gestaltung.

anschuetz-msr-22
Die MSR RX 22 Competition von Anschütz

Einen wirklich einfachen Einstieg für Anfänger bieten waffenscheinfreie Schusswaffen, die auch keine Waffenbesitzkarte erforderlich machen. Einzige Voraussetzung zum Erwerb ist die Vollendung des 18. Lebensjahres. Das gilt auch für Softairwaffen mit einer Geschossenergie von unter 0,5 Joule. Die dürfen zwar ab 14 Jahren auf privatem Gelände verwendet werden, der oder die Käuferin muss jedoch 18 Jahre alt sein.

Empfehlenswert erscheinen zum Beispiel Pistolen für Anfänger mit CO2-Kartuschen. Solche Waffen sind unkompliziert in der Bedienung und vermitteln zugleich das Gefühl, eine große Schusswaffe in der Hand zu halten. Optisch sind sie bekannten oder sogar berühmten Vorbildern nachgebaut, wie etwa die Dessert Eagle, die Beretta Elite oder der Colt Defender. Die Waffen sind aus Metall gefertigt und entsprechen im Gewicht zwar nicht ganz den Originalen, geben aber ein gutes Schweregefühl beim Zielen und Schießen. Letztlich bewegen sich CO2-Waffen mit Preisen von 60 bis 80 Euro in einem vernünftigen Rahmen für Anfänger.

Aber nicht vergessen, auch solche Waffen dürfen nicht in der Öffentlichkeit gezeigt oder etwa benutzt werden.

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